Zum Relaunch von “welt.de”: viel Bling-Bling um nichts

Jun 01 2010 Published by Christian Soeder under Medien und Blogs

Der Onlineauftritt der “Welt” wurde überarbeitet: “welt.de” ist völlig neu. Mein Ersteindruck war: der Relaunch ist völlig misslungen. Und nach wie vor sehe ich es so: das passt hinten und vorne nicht zusammen. Schauen wir uns die Startseite an:

Man sieht: nichts passt zusammen. Die Überschriften sind in “Times” gesetzt, während das Welt-Online-Logo aus einer Nicht-Serifen-Schriftart besteht. Gleichzeitig sind die Unterüberschriften in “Arial” gesetzt, der Fließtext jedoch in “Times”. Das wirkt schlicht und ergreifend wie Stückwerk. Zudem die Entscheidung, normale Artikel mit einer roten Überschrift zu versehen und Meinungsartikel mit einer blauen; die Idee ist theoretisch nicht dumm, in der Praxis jedoch wirkt es überladen.

Dann das Hauptmenü: während im Textbereich auf sinnfreie Spielereien verzichtet wird, wirkt ausgerechnet das zentrale Element wie geschmackloses “Bling-Bling”. Das gilt ebenso für die Seitelemente “Nachrichten-Ticker” und “Empfehlungen”. Das gilt auch für die Artikel-Einzelansicht: immer wieder sind Bling-Bling-Elemente eingestreut, die das seriöse Erscheinungsbild konterkarieren.

Allgemein: die Abstände sind zu gering, es fehlt an Weißraum. Die beiden Hauptspalten müssten besser unterteilt werden, möglicherweise mit einem feinen Trennstrich – so verwischt alles zu einem einzigen Brei.

Das Prinzip Fußzeile ist Geschmackssache – manche mögen es, manche nicht. Ich persönlich finde es nervig, aber das muss nicht für die Allgemeinheit gelten. Jedenfalls fehlt die Option, die Fußzeile zu deaktivieren, und natürlich gilt auch hier: unnötiges Bling-Bling.

Der graue Hintergrund wirkt düster. Hellblau würde gleich viel freundlicher wirken.

Das nur in aller Kürze.

Das Layout ist aber nicht unrettbar. Meine Empfehlungen: Schriftfarben radikal einschränken. Text schwarz, Überschriften hellblau – das passte zum Welt-Online-Logo. Gleiches gilt für die Schriftarten: “Arial” und “Times” teilweise in der Überschrift verwenden, teilweise im Fließtext, dann wieder woanders – das wirkt unruhig. Generell ist “Times” keine gute Schriftart für Webseiten, auch nicht für Überschriften. Die “Georgia” empfiehlt sich viel eher. Ergo: “Georgia” für alle Überschriften, “Arial” für alle anderen Texte. Und: auf Bling-Bling-Elemente solcher Art verzichten. Klare Linien passten besser zu einer Zeitung wie der “Welt”. Elemente, die nur einmal auftauchen, durch andere Elemente ersetzen. Mehr Weißraum und klare Trennlinien zwischen den einzelnen Spalten.

No responses yet